Ein Abend, der allen gehörte

Wäre die Preisverleihung der goldenen Bechue selbst ein Theaterstück, hätten darin drei Personen die Hauptrollen gespielt: Preisträger Hans Fässler, Laudator Albert Koller und Liedermacher Andreas Fröhlich. Doch ein Theater wäre nichts ohne Ensemble – und ohne Publikum bleibt selbst das beste Spiel stumm. Nur miteinander entsteht ein stimmungsvolles Ganzes. Bei der Preisverleihung harmonierten Protagonisten (die erwähnten drei), Ensemble (Nominierte und Moderatorinnen) und Publikum bestens. Und so gingen am Ende der Veranstaltung, die am 2. Juni, in der Alten Stuhlfabrik Herisau stattgefunden hatte, alle rund 70 Anwesenden mit einem wohligen Gefühl nach Hause.

Weshalb die Theatermetapher? Weil die sechste Ausgabe des Kulturpreises «Di goldig Bechue», getragen von der Frieda und Ulrich-Steingruber-Stiftung und verliehen vom Appenzeller Magazin, heuer im Zeichen des Laientheaters stand. Nominiert waren nebst Gewinner Hans Fässler (Haslen) auch Roland Benz (Wolfhalden), Cornelia Kühnis (Herisau), Gabriel Frehner (Trogen) und Rahel Stieger (Gais). In der Aprilausgabe des Appenzeller Magazins wurden alle fünf vorgestellt, worauf die Abonnentinnen und Abonnenten abstimmen konnten. Sie taten das ziemlich eindeutig – auch wenn Hans Fässler dies zunächst kaum glauben mochte. In seiner warmherzigen Dankesrede betonte er, dass ein erfolgreiches Theaterstück das Verdienst aller Beteiligten sei, und nahm den Preis stellvertretend für alle entgegen, die sich für Laientheater engagieren. Bei aller Bescheidenheit – verdient hat ihn der 67-jährige Pensionär: Allein seine Dankesrede war eine mehr als gelungene Kostprobe seines Könnens. Warmherzig, mit feinem Humor und einem Augenzwinkern stand er auf der Bühne und bedankte sich vor allem bei seiner wichtigsten Protagonistin: seiner Frau Roswitha, die ihn beim Theaterspielen unterstütze und es auch weiterhin erlaube – solange sie daheim die Regie behalte.

Sein Leistungsausweis auf den Brettern, die die Welt bedeuten, ist beachtlich: Hans Fässler wirkte in etlichen Produktionen der Theatergesellschaft Appenzell und der Kolpingfamilie mit, oft in tragenden Rollen. «Seine Leidenschaft für das Theaterspiel ist ein Geschenk an die ganze Bevölkerung des Appenzellerlands», sagte Laudator Albert Koller, ehemaliger Präsident der Theatergesellschaft Appenzell – natürlich nicht in Schriftsprache, sondern in schönstem Innerrhoder Dialekt. Überhaupt war Innerrhodisch weit verbreitet an der Preisverleihung: Nicht nur Hans Fässlers Familie war nach Herisau gereist, auch zahlreiche Mitglieder der Theatervereine, in denen er mitwirkt, erwiesen «ihrem Hans» die Ehre.

Der Kulturpreis «Di goldig Bechue» ist mit 5000 Franken und der namensgebenden goldenen Bechue dotiert, geschaffen von der Herisauer Künstlerin Vera Marke. Auch die vier weiteren Nominierten durften sich freuen: Sie erhielten für ihr Engagement eine «silbrige Bechue» und einen kleineren Geldbetrag.

Charmant durch die würdige und unterhaltsame Preisverleihung führten Angela Müller und Lara Abderhalden, Redaktorinnen des Appenzeller Magazins, das unter dem Dach des Verlagshuus in Herisau erscheint. Der eigentlich heimliche Star des Abends war der Herisauer Liedermacher und Autor Andreas Fröhlich. Er begeisterte das Publikum mit seinen passgenau zum Anlass komponierten Liedern und humoristischen Einlagen – Zugabe erwünscht.

Verlagshuus in Herisau: Eingezogen, angekommen und Stobete gefeiert

Nachdem das Verlagshuus Ende November 2025 von Schwellbrunn nach Herisau gezogen war und dies mit dem Öberefahre zelebriert hatte, folgte nun die offizielle Eröffnung mit einem Tag der offenen Tür. Stobete nannte das Team diesen Anlass, ganz in der Manier des hiesigen Brauchtums. Und das kam an: Den ganzen Tag über füllten sich der Rosengarten und das historische Haus mit neugierigen Besucherinnen und Besuchern, die staunten, plauderten und blätterten. Die Stimmung war gesellig und das Wetter zeigte sich zum Glück von seiner frühlingshaftesten Seite.

Der Vormittag gehörte dem offiziellen Teil. Christine König, Co-Leiterin des Verlagshuus, führte durch das Programm und skizzierte, was das Haus ausmacht: fünf Verlage unter einem Dach – Appenzeller Verlag, Toggenburger Verlag, edition punktuell, orte und FormatOst. Verwaltungsratspräsident Paul Zähner unterstrich die Bedeutung des Verlagshuus als eines der letzten unabhängigen Verlagshäuser der Ostschweiz – und als publizistischer Partner für die kulturelle Identität der Region. Celia Hubmann, Präsidentin des Einwohnerrats Herisau, freute sich über die Belebung, die das Verlagshuus dem Quartier Windegg und dem Rosengarten bringt.

Das Gebäude selbst verdient eine eigene Geschichte: Es stammt aus dem späten 17. Jahrhundert und ist voller historischer Malereien. Die auffällige Fassade geht auf den Kunstmaler Luigi Grigoletti (1887–1939) zurück. Ihm zu Ehren gab es an der Stobete Pizza Grigoletti aus dem Holzofen-Pizzamobil. Architektin Eva Keller führte diejenigen durchs Haus, die es genauer wissen wollten. Im Parterre lud die Verlagsboutique zum Stöbern ein: Den Grossteil der rund 800 Titel aus 30 Jahren Verlagsgeschichte gibt es dort zum Anfassen und Mitnehmen.

Für den musikalischen Rahmen sorgte Elias Menzi mit seinem Hackbrett, die Bäckerei Knöpfel lieferte Süsses aus der Nachbarschaft. Kinder konnten das Quartier auf einer Schnitzeljagd erkunden und dabei Kinderbücher aus dem Verlagshuus entdecken. Eine besondere Überraschung war der Bücherstuhl der Herisauer Künstlerin Orfea Mittelholzer – ein Geschenk zur Eröffnung des Verlagshuus der Steinegg Stiftung. Gut 60 Bücher, die als Leseexemplar ausgedient hatten oder aus anderen Gründen hätten makuliert werden müssen, hat die Künstlerin zu einem Stuhl verarbeitet. Unter der grossen Linde im Rosengarten schafft er so eine visuelle Verbindung zum benachbarten Verlagshuus.

Den wohl originellsten Programmpunkt hatte das Team «Ineweerde» genannt: ein Speeddating mit Autorinnen und Autoren. In kurzen Runden, direkt und persönlich, erfuhr das Publikum mehr über die Menschen hinter den Büchern.

Und Josef Scheuber, langjähriger und inzwischen pensionierter Mitarbeiter des Verlagshuus, komponierte aus 132 Buchtiteln eine humorvolle Geschichte, die das Publikum immer wieder zum Schmunzeln brachte.

Lesung in Lichtensteig: Volle neue Städtli-Bibliothek

Die neue Städtli-Bibliothek in Lichtensteig war pumpenvoll bei der Lesung von Lara Abderhalden aus ihrem Buch «Felsenfest. Das Berggashaut Tierwis». 50 bis 60 Personen liessen sich die Lesung mit musikalischer Umrahmung der Scheftenauer Husmusig nicht entgehen.

Die Lesung fand im Anschluss der HV des Verein Städtli-Bibliothek Lichtensteig statt.

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Berührende Buchmatinee für den «Schneesperling»

Das Kafi Karl in Herisau war bis auf den letzten Platz gefüllt, als die Veranstaltung mit stimmungsvollen Hackbrettklängen von Werner Alder und einer Laudatio von Corina Vuilleumier eröffnet wurde. Selbst der Schneesperling kam dabei zu «Wort» und sorgte mit seinem zwitschernden Gesang für heitere Momente im Publikum.

Im weiteren Verlauf wechselten sich persönliche Gedanken des Autors mit gelesenen Auszügen aus dem Roman ab, welche Susanne Wittwen einfühlsam interpretierte. Der Autor selbst erklärte, dass ihm diese Stellen zu nahe gingen, um sie persönlich zu lesen. Die feinen Hackbrettklänge von Werner Alder verliehen den gefühlvollen Texten eine besondere Tiefe und schufen eine Atmosphäre, die das Publikum spürbar berührte.

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Wir üben den Hierig für unsere Stobete

Der Hierig erzählt von den Höhen und Tiefen einer Beziehung: Annäherung, Geturtel, Streit, Versöhnung. Den Streit lassen wir grosszügig aus – und bleiben lieber bei der Annäherung, beim Kennenlernen. Genau darum geht es nämlich auch an unserer Stobete: am 9. Mai 2026, von 9 bis 15 Uhr, im und ums Verlagshuus in der Herisauer Windegg.

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Vernissage des «166. Neujahrsblatt»

Direkt im Anschluss an die Hauptversammlung des Historischen Vereins des Kantons St.Gallen wurde zur Buchvernissage des aktuellen Neujahrsblatts eingeladen. Veranstaltungsort war der Raum für Literatur in St.Gallen. Clemens Müller führte durch die einzelnen Beiträge  und stellte diese anschaulich anhand von Bildern vor. Dabei erhielten die Gäste einen lebendigen Eindruck der Inhalte und Themen des neuen Bandes. Besonders spannend war der anschliessende kurze Einblick in die Geschichte der Konservenfabrik Rorschach. In angenehmer Atmosphäre klang der Anlass bei einem Apéro aus. 

 

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Buchvorstellung «Spuren der Erdgeschichte im Alpstein»

Nach der Begrüssung durch Museumsdirektor Matthias Meier und der Vorstellung aller Autor:innen sprach Susanna Schoch, Lektorin im Verlagshuus, mit den beiden Herausgebern, Peter Kürsteiner und Adrian Pfiffner, über die Hintergründe des Buches. Anschliessend zeigte Geologe René Löpfe am Beispiel des Sämtisersees und anschaulichem Bildmaterial einige «Spuren der Erdgeschichte im Alpstein». Wie Löpfes Vortrag soll das Buch das Bewusstsein für die geologischen Schätze des Gebirgszugs schärfen und dazu inspirieren, diesen nachzuspüren.

Kirche voll dank «Bloch»-Buch

Am Sonntagvormittag, 15. Februar, fand die Vorstellung von Johannes Schläpfers neustem Buch statt. Nach dem Erfolg von «Silvesterchlausen» hat sich der Teufner Historiker einem weiteren Appenzeller Brauch verschrieben: dem Bloch. Auch dieses Thema ist auf grosses Interesse gestossen – die Bänke der Kirche Urnäsch waren voll. Und dies nicht nur wegen der Blochmannschaft Urnäsch, die den Anlass mit Zäuerli und Stegreif musikalisch untermalten. Dank Johannes Schläpfers gutem Ruf als Lokalhistoriker und dank des Brauchtumsmuseums Urnäsch, die als Gastgeberin der Buchvorstellung fungierte, kamen zahlreiche Geschichtsinteressierte angereist. Sie liessen sich gern vom Autoren erklären, aus welchen Bräuchen sich das Bloch herausgebildet hat und warum es – entgegen gängigen Vorstellungen – nicht im Appenzeller Hinterland und schon gar nicht in Urnäsch seinen Anfang fand.

Den Vortrag umrahmten Susanna Schoch, Leiterin Buch des Verlagshuus, und Wälti Frick vom Brauchtumsmuseum Urnäsch, die über die Entstehung des Buches und die enge Zusammenarbeit mit Johannes Schläpfer sprachen. Zum krönenden Abschluss lud das Museum zum Apéro ein, wo der Autor rund fünfzig Bücher signierte. Die Blochmannschaft Urnäsch machte sich alsbald auf dem Heimweg, musste sie doch tags darauf früh aus den Federn, um sich für den Umzug schminken. 

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Literaturzeitschrift orte wird nun von einem Verein herausgegeben

Ab diesem Jahr wird die Literaturzeitschrift orte in etwas veränderter Form erscheinen: in Kooperation mit affinen Partnerinnen und Partnern aus der Schweizer Kulturlandschaft. Mit diesen gemeinsam werden jeweils die literarischen Themen definiert. Die Distribution findet über den jeweiligen Kooperationspartner statt. So kann der literarische Inhalt von orte an erweiterte und neue Kreise gelangen. Abonnentinnen und Abonnenten werden zu einem jährlichen Gönnerabonnement eingeladen.

Die Appenzeller Verlag AG, die ihren Fokus auf die Region Ostschweiz mit dem Umzug nach Herisau stärken will, hat die Literaturzeitschrift dem Anfang Juli 2025 in Zürich gegründeten Verein orte Literaturzeitschrift übergeben. Der Vorstand setzt sich zusammen aus Viviane Egli, Marcel Steiner und Rolf Zöllig, der neu auch das Design übernimmt. Die orte-Redaktion arbeitet wie bis anhin weiter, in personell leicht veränderter Konstellation. Auf diese Weise wird die Zeitschrift weiterhin zwei- bis dreimal jährlich erscheinen, bedarfsweise auch ausgeformt als Podcast – wie im 50-Jahr-Jubiläum 2024 begonnen – sowie in Auszügen online und kombiniert mit Veranstaltungen.

Die Literaturzeitschrift orte wurde 1974 von Autor und Verleger Werner Bucher gegründet und erschien seither im gleichnamigen orte Verlag. 2015 siedelte sie sich unter dem Dach der Appenzeller Verlag AG in Schwellbrunn an.

Die Appenzeller Verlag AG wünscht dem Verein und dem Redaktionsteam gutes Gelingen und frohes Schaffen und freut sich auf Berührungspunkte bei der einen oder anderen Gelegenheit, etwa als Kooperationspartnerin einer künftigen Ausgabe.

Informationen und Kontakt: Verein Literaturzeitschrift orte, www.orte.space, ecaps.etro@eciffo

Das Verlagshuus-Team wünscht frohe Festtage und ein glückliches neues Jahr

Für uns war es buchstäblich ein bewegtes Jahr mit dem Umzug des Verlagshuus von Schwellbrunn nach Herisau. Das grosse Interesse am neuen Verlagshuus zeigt uns, dass Sie sich mit uns mitbewegt haben, und darüber freuen wir uns sehr. Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle für Ihre Treue, Ihr Wohlwollen und für das Verständnis, wenn während des Umzugs nicht alles so geklappt hat wie gewohnt. Ab dem 25. Dezember gönnen wir uns eine Pause und sind am Montag, 5. Januar 2026, gern und in alter Frische wieder für Sie da. Wir wünschen Ihnen wunderbare Weihnachtstage und einen fabelhaften Start in ein gesundes, glückliches und erfolgreiches neues Jahr. Wir haben 2026 einiges vor – Sie dürfen gespannt sein.