Öberefahre: Wenn ein Verlagshaus zügelt

Ein Verlag zügelt nicht alle Tage. Und das, so dachten wir uns, soll zelebriert werden. Weil sich unser Verlagshaus mit seinen Publikationen in der Region Ostschweiz und nahe an der hiesigen Kultur und dem Brauchtum bewegt, luden wir am Samstag, 29. November 2025, zu einer frei interpretierten Form des traditionellen Öberefahre ein – mit Büchern statt mit Kühen. Der Anlass war ein voller Erfolg: Rund 80 Sympathisant:innen folgten der Einladung und trugen in ihren Rucksäcken motiviert einen Stapel Bücher von Schwellbrunn nach Herisau in unser neues Verlagshuus, wie es nun heisst.

Bei immer schöner werdendem Winterwetter ging es durch den Schnee über Wiesen und durch Wälder. Es war fast wie ein richtiges Öberefahre, wie man es von der Alpfahrt kennt: Unterwegs wurden Getränke und süsse Stärkungen useghäbet, und es gab sogar ein Zäuerli. Enttäuscht waren die fleissigen Helfer:innen einzig ein wenig über die Menge an Büchern, die sie zu transportieren hatten: viel zu wenig, fanden einige. «Richtig» gezügelt hatten wir bereits eine Woche vor dem symbolischen Zügelakt mithilfe eines Umzugsunternehmens. Dabei wurden nebst den Büromöbeln rund 700 Kisten mit Büchern gepackt – mehr als zehn Tonnen.

Unser neues Verlagshuus liegt in der Windegg, mitten im Herzen von Herisau. Um die Mittagszeit traf die Zügelschar am Ziel ein. Es gab Gerstensuppe für alle und Führungen durchs Verlagshuus. Es stammt aus der Zeit um 1670, ist damit eines der ältesten Häuser in Herisau und beeindruckt mit einzigartigen Malereien an der Fassade sowie in einigen Räumen. Ende November zogen wir mit unserem zehnköpfigen Team ein, um künftig hier Bücher, Kalender und Magazine zu gestalten und im Erdgeschoss die Verlagsboutique zu betreiben. Vorgesehen ist zudem, das Haus für ausgewählte kulturelle Veranstaltungen zu öffnen und Raum für Begegnungen und Dialog zu schaffen.